Digitalisierung und Medien

Bezüglich des sinnvollen Einbezugs digitaler Medien oder Netzwerke in ein analoges Format der politischen Bildung äußert sich der Aktionsrat Bildung: „Es geht […] darum, auf Basis der sich verändernden technologischen Möglichkeiten neue pädagogisch-didaktische Ansätze zu entwickeln, welche die Technologien gezielt und unterstützend einsetzen“ (Aktionsrat Bildung 2017, S.81). Dies soll im Sinne eines umfassenden TPACK-Konzepts (Technological Pedagogical And Content Knowledge) geschehen. Um ein solch umfassendes Konzept entwickeln zu können, ist es zwingend notwendig, die Zielgruppe Jugendliche in Bezug auf ihr Mediennutzungsverhalten, aktuelle Trends und Entwicklungen oder beliebte Plattformen möglichst genau zu kennen. Neben dem ausgeprägten direkten Kontakt zu den Jugendlichen geben auch hier die genannten Studien Aufschluss. Exemplarisch seien hier einige zentrale Erkenntnisse aus den Studien dargestellt:

  • Eine zentrale Forderung, die in allen Studien wiederkehrt, ist die intensivere Stärkung der Medienkompetenz. „Kompetenz“ meint hierbei in Kurzform den verantwortungsvollen, kritischen und reflektierten Umgang und ist nicht mit der „Anwendungskompetenz“ gleichzusetzen.
  • Die Anwendungskompetenz in Bezug auf Medien ist ein zentrales und wichtiges Element, sie allein macht einen Menschen aber noch lange nicht medienkompetent. In den Worten des BAP 2017 geht es vor allem darum, die „Kompetenzen junger Menschen zur Bewertung von Informationen und Quellen zu stärken“.Bei einer reinen Anwendungskompetenz bezogenen Medienvermittlung fehlt der kritische und reflektierte Umgang mit den Medien, der ebenfalls erlernt werden sollte.
  • Die Jugendlichen äußern das Bedürfnis (SINUS-Studie 2016) nach weniger gefahrenzentrierten, sondern mehr chancenorientierten Vermittlung von Medienkompetenz. Sie wünschen sich mehr konstruktive Hilfestellungen, da sie ihre „Medienkompetenz“ vorwiegend „by doing“ (bspw. auch durch Tutorials auf YouTube o.ä.) erwerben.
  • Bezüglich des Einsatzes von Medien wünschen sich die Jugendlichen, dass diese auf dem aktuellen Stand der Technik sind. Bei dem Einsatz von veralterten Medien droht die Gefahr, dass diese schnell belächelt und von der Zielgruppe nicht ernst genommen werden.
  • Laut der SINUS-Studie ist Medienkompetenz heutzutage kaum mehr eine Frage der Ausstattung. 95% der Jugendlichen besitzen ein Smartphone, mit dem das Internet in allen möglichen Facetten genutzt wird. Tablet-PC’s stehen bereits 2/3 der Haushalte zur Verfügung (JIM-Studie 2016).
  • Bezüglich des Medieninventars lässt sich mitunter sogar ein „Sättigungseffekt“ beobachten, welcher gerade bei bildungsnahen Jugendlichen teilweise schon dazu führe, dass der Mehrwert digitaler Formate infrage gestellt wird.
  • Bildungsferne Jugendliche begrüßten am Deutlichsten die Einbindung digitaler Medien – nicht zuletzt, weil man sich davon mehr Spaß verspricht (SINUS 2016).
  • Die meist genutzten Kommunikationsanwendungen sind laut JIM-Studie Whatsapp (95%), Instagram (51%), Snapchat (45%) und Facebook (43%), wobei letztere bereits rückläufig ist. An der Spitze der beliebtesten Internetangebote steht YouTube (64% benutzen es mind. mehrmals wöchentlich) – gefolgt von Whatsapp (41%) und Instagram (Mädchen 32%, Jungen 13%).
  • „Youtube spielt generell eine sehr große Rolle im Medienalltag der Jugendlichen“. 55% konsumieren Musikvideos, 40% lustige Clips, ca. 1/3 Let’s-play-Videos und Comedy-Formate von YouTubern und 20% Videos zu Nachrichten und dem aktuellen Geschehen sowie Lernvideos.
  • Rund 25% der Jugendliche sind sogenannte Info-Nutzer (Informationssuche dominiert bei den Internetaktivitäten). Doch auch hier wird ein deutlicher Unterschied zwischen Jugendlichen aus gehobenen sozialen Verhältnissen und Jugendlichen aus einfachen sozialen Verhältnissen evident.

„Es ist […] eine medienpädagogische und -politische Aufgabe, mit altersgerechten Inhalten und Reflexionsmöglichkeiten dafür zu sorgen, dass die Heranwachsenden Gelegenheit bekommen, sich diese Dimension [Anm. Die Informations-Dimension] des Internets anzueignen. Die Relevanz dieser Aufgabe wird noch dadurch vergrößert, dass vor allem Jugendliche aus einfachen sozialen Verhältnissen dieser Nutzungsdimension des Internets weniger nachgehen.“ ( SHELL-Studie 2015, S.19).